News & Themen  >  Energieausweise im Praxistest: Ergebnisse großenteils zufällig

Energieausweise im Praxistest: Ergebnisse großenteils zufällig

24.09.2015

Energieausweise im Praxistest: Ergebnisse großenteils zufällig

Der in Energie­ausweisen angegebene Energie­effizienz­wert für Wohn­gebäude unter­liegt wesentlich dem Zufall. Das ergab ein Test, den der Eigentümer­verband Haus & Grund Deutschland an zwei repräsen­tativen Wohn­gebäuden durch­führte. "Es darf nicht von der Wahl des Energie­beraters abhängen, ob ein Haus gute oder schlechte Energie­werte hat", forderte Kai Warnecke, Haupt­geschäfts­führer von Haus & Grund Deutschland, heute in Berlin. Statt mit aller Macht den Energie­ausweis im Markt zu verankern, müsse die Bundes­regierung dafür sorgen, dass die individuelle Energie­beratung verbessert werde.

Haus & Grund hat in den vergangenen Monaten für ein Mehr- und ein Zwei­familien­haus Energie­ausweise erstellen lassen. Es wurden von insgesamt zehn verschie­denen Energie­beratern aus der Experten­liste der dena sowie über ein Online­portal Verbrauchs­ausweise und Bedarfs­ausweise erstellt. Die ermittelten Energie­kennwerte differierten dabei um bis zu 46 Prozent. „Nicht einmal ein hoher Preis garantiert Qualität. Die Probleme lassen sich auch nicht ohne weiteres mit einer besseren Qualifi­zierung der Energie­berater beheben. Die Probleme liegen im System“, sagte Warnecke. So bereite die für die Berechnung wesent­liche Gebäude­nutz­fläche in der Praxis erheb­liche Probleme. Dies führe dazu, dass der ermittelte Energie­bedarf oder -verbrauch einmal auf kleine, einmal auf große Flächen bezogen werde – bei ein und demselben Haus, von unter­schied­lichen Beratern.

Der Verband schlägt vor, die Bedeutung von Energie­ausweisen für den Wohn­immobilien­markt zu beschränken. Seit Mai 2014 muss beispiels­weise der Energie­kennwert aus dem Energie­ausweis in Vermietungs­anzeigen angegeben werden. Wer diese Vorgabe missachtet, muss mit einem Buß­geld von bis zu 15.000 Euro rechnen. "Der Energie­kenn­wert gibt keinen Hinweis darauf, ob ein Mieter mit hohen oder niedrigen Heiz­kosten zu rechnen hat. Deshalb hat er in Anzeigen nichts zu suchen", betonte Warnecke.

Haus & Grund Deutschland

Weitere News und Hintergründe

Praxistest Energieausweis

Mehr zum Thema

Gültigkeit einiger älterer Energieausweise läuft zum 31. Oktober 2014 ab

Gültigkeit einiger älterer Energieausweise läuft zum 31. Oktober 2014 ab

vom 01.09.2014

Energieausweise, die vor dem 1. Oktober 2007 ausgestellt wurden, sind unter bestimmten Umständen nur noch bis zum 31. Oktober 2014 gültig. Betroffen sind Ausweise, die nicht dem damals gängigen Muster eines Energieausweises entsprechen und nicht die Mindestangaben enthalten.

Arbeitshilfe zu Pflichtangaben in Immobilienanzeigen bei alten Energieausweisen

Arbeitshilfe zu Pflichtangaben in Immobilienanzeigen bei alten Energieausweisen

vom 28.05.2014

Das Bundesministerium für Wirtschaft hat eine Arbeitshilfe zu den Pflichtangaben in Immobilienanzeigen bei alten Energieausweisen veröffentlicht. Anhand der Arbeitshilfe sollen die vorhandenen Energieausweise leichter in die jeweiligen Ausweis-Generationen eingeordnet werden, um dann feststellen zu können, wie lange die Ausweise noch weiter genutzt werden dürfen.

Angabe der Effizienzklasse A+ bis H ab 2015 Pflicht

Angabe der Effizienzklasse A+ bis H ab 2015 Pflicht

vom 04.11.2013

Genauso wie heute bereits bei Elektrogeräten, sollen ab 2015 auch Wohngebäude gemäß ihrem errechneten Energiebedarf in Effizienzklassen von A+ bis H eingeteilt werden. Laut Haus & Grund wird mit dieser Kennzeichnung eine Transparenz vorgetäuscht, die es tatsächlich nicht gibt. Denn entscheidend für den Mieter ist nicht der kwh-Bedarf, sondern die Energiekosten. Dem Käufer interessiert dagegen der Sanierungsbedarf, der durch Effizienzklassen nicht darstellbar ist.

‹ zurück